In der Optik und Physik ist der Einfallswinkel (AOI) der Winkel zwischen einer einfallenden Welle, etwa einem Lichtstrahl, und der Senkrechten (Normalen) zur Oberfläche am Auftreffpunkt.
Der AOI ist ein kritischer Parameter bei der Auslegung und Anwendung optischer Komponenten, insbesondere bei Dünnschicht-Interferenzfiltern, da deren Leistungsmerkmale, beispielsweise Zentralwellenlänge und Transmissionseffizienz, direkt von diesem Winkel abhängen.

Grundbegriffe
- Normale: Eine gedachte Linie, die am Auftreffpunkt des Lichtstrahls exakt senkrecht ((90°) zur Oberfläche des Objekts oder der Optik verläuft.
- 0° AOI (senkrechter Einfall): Der Zustand, bei dem sich ein einfallender Lichtstrahl entlang der Flächennormalen ausbreitet und senkrecht auf die Oberfläche trifft. Dies ist die Standard-Auslegungsbedingung für die meisten serienmäßigen optischen Filter.
- Nicht senkrechter Einfall: Jede Situation, in der Licht in einem anderen Winkel als 0° auf die Oberfläche trifft. Ein dichroitischer Spiegel, der Licht beispielsweise in einem Winkel von 90° reflektieren soll, wird relativ zum einfallenden Strahl üblicherweise mit einem AOI von 45° ausgerichtet.
Auswirkung auf optische Filter ("Blauverschiebung")
Bei Dünnschicht-Interferenzfiltern (z. B. Bandpass-, dichroitischen und Langpassfiltern) wirkt sich eine Änderung des Einfallswinkels erheblich auf die spektrale Leistung aus. Wenn der AOI ausgehend von 0° zunimmt, verschiebt sich die spektrale Antwort des Filters zu kürzeren Wellenlängen. Dieses Phänomen wird allgemein als „Blauverschiebung“ bezeichnet.
Diese Verschiebung tritt auf, weil das Neigen des Filters die Weglänge des Lichts durch seine internen Schichten verändert. Dadurch ändern sich die Muster der konstruktiven und destruktiven Interferenz, die bestimmen, welche Wellenlängen transmittiert oder blockiert werden.
- Ausmaß der Verschiebung: Kleine Winkeländerungen (z. B. bis zu 15°) führen zu geringfügigen Verschiebungen. Große Winkel (z. B. 45°) können erhebliche Verschiebungen verursachen und das Passband eines Filters möglicherweise vollständig von der Zielwellenlänge wegbewegen.
- Polarisationsaufspaltung: Bei größeren Winkeln (typischerweise >10°) beginnen die spektralen Eigenschaften von s-polarisiertem und p-polarisiertem Licht voneinander abzuweichen. Dies kann zu einer größeren Bandbreite, einer geringeren Spitzentransmission und unterschiedlichen Langpass-/Kurzpasskanten für die beiden Polarisationszustände führen.
Bei einem AOI von 0° (durchgezogene blaue Linie) transmittiert der Filter das Licht bei 532 nm vollständig. Wird er auf einen AOI von 45° (gestrichelte rote Linie) geneigt, verschiebt sich die Mittenwellenlänge nach unten auf etwa 498 nm. Dadurch würde der Filter nun das Licht bei 532 nm, für dessen Transmission er ursprünglich ausgelegt wurde, blockieren.

Berechnung der spektralen Verschiebung
Die durch Neigung verursachte Verschiebung der Mittenwellenlänge eines Filters (λc) kann für kollimiertes Licht mit der folgenden Formel angenähert werden:
λ_θ = λ_0 * √ [ 1 - (n_0 / n_eff)² * sin²(θ) ]
Dabei gilt:
- λ_θ (Lambda theta): Die neue Mittenwellenlänge beim Einfallswinkel θ.
- λ_0 (Lambda 0): Die ursprüngliche Mittenwellenlänge bei 0° AOI (senkrechter Einfall).
- θ (Theta): der Einfallswinkel in Grad.
- n_0: Der Brechungsindex des äußeren Mediums (typischerweise ≈ 1.0 für Luft oder Vakuum).
- n_eff: Der effektive Brechungsindex des Filters. Dies ist eine Eigenschaft des Beschichtungsdesigns des Filters und wird häufig vom Hersteller angegeben (typische Werte liegen im Bereich von 1.45 to 2.35).
Beispiele
1. Anschauliche Analogie: Ein springender Ball
Stellen Sie sich vor, Sie werfen einen Ball gegen eine ebene Wand.
- 0° AOI: Wenn Sie den Ball genau senkrecht gegen die Wand werfen, prallt er auf demselben Weg direkt zurück.
- 45° AOI: Wenn Sie den Ball in einem Winkel werfen, trifft er auf die Wand und prallt im exakt gleichen Winkel in die entgegengesetzte Richtung ab. Der Winkel zwischen der Wurfrichtung und der Senkrechten zur Wand ist der Einfallswinkel.

2. Technisches Beispiel: Verschiebung eines Laserlinienfilters
Betrachten wir einen standardmäßigen 532 nm Bandpassfilter, der für senkrechten Einfall (0° AOI) ausgelegt ist. Wird dieser Filter in einem optischen Aufbau in einem Winkel von 45° eingesetzt, ändert sich seine Leistung.Parameter:
- Ursprüngliche Wellenlänge (λ_0) = 532 nm
- Winkel (θ) = 45°
- Effektiver Index (n_eff) = 2.0
- Brechungsindex von Luft (n_0) = 1.0
Schrittweise Berechnung:
- Sinus zum Quadrat berechnen: Der Sinus von 45° beträgt ungefähr 0.707. Quadriert ergibt dies 0.5.
- Brechungsindexverhältnis berechnen: (1.0 / 2.0) zum Quadrat ergibt 0.25.
- Terme zusammenfassen: 1 - (0.25 * 0.5) = 0.875.
- Quadratwurzel ziehen: Die Quadratwurzel von 0.875 beträgt ungefähr 0.9354.
- Endergebnis: 532 nm * 0.9354 = 497.6 nm
- Fazit: Bei einem Einfallswinkel von 45° verschiebt sich die Mittenwellenlänge des Filters von 532 nm auf etwa 497.6 nm. Daher würde der Filter das 532 nm Laserlicht, für dessen Transmission er ursprünglich ausgelegt wurde, wahrscheinlich blockieren.