Ultraviolett (UV)-Bildgebung ist ein spezialisiertes fotografisches und sensorisches Verfahren zur Aufnahme von Bildern im ultravioletten Spektralbereich, der Wellenlängen von ungefähr 10 nm bis 400 nm umfasst. Da das menschliche Auge für UV-Licht unempfindlich ist, nutzt diese Technologie spezielle optische Sensoren, Objektive und Filter, um UV-Photonen zu erfassen und in sichtbare, auswertbare Daten umzuwandeln.
UV-Bildgebung wird in zahlreichen wissenschaftlichen, industriellen und forensischen Bereichen eingesetzt, um Merkmale, Defekte und Phänomene sichtbar zu machen, die bei herkömmlicher optischer Beleuchtung nicht erkennbar sind.

Funktionsprinzipien
Standardmäßige Bildsensoren und optische Linsen sind im UV-Spektrum im Allgemeinen sehr ineffizient oder vollständig undurchlässig. Herkömmliches Glas absorbiert UV-Licht, insbesondere bei Wellenlängen unter 350 nm. Ein UV-Bildgebungssystem erfordert daher spezielle Anpassungen sowohl der Optik als auch der Sensorarchitektur.
Optische Komponenten
Damit UV-Licht zum Sensor gelangen kann, müssen die Objektive anstelle von optischem Standardglas aus speziellen Materialien mit hoher Transmission gefertigt sein. Zu den gängigen Materialien gehören Quarz, Calciumfluorid und Quarzglas. Zusätzlich werden häufig optische Bandpassfilter eingesetzt, um bestimmte UV-Wellenlängen wie UVA, UVB oder UVC zu isolieren und gleichzeitig sichtbares sowie infrarotes Licht zuverlässig zu sperren. Dadurch bildet die resultierende Aufnahme ausschließlich die UV-Reflexion oder UV-Emission des Motivs ab.
Sensoren
Die meisten handelsüblichen Digitalkameras verwenden Sensoren mit Bayer-Filter und Mikrolinsen, die UV-Strahlung absorbieren.() Für echte UV-Bildgebung werden üblicherweise monochrome CCD-Sensoren (Charge-Coupled Device) oder speziell modifizierte CMOS-Sensoren (Complementary Metal-Oxide-Semiconductor) eingesetzt. Zu den gängigen Verfahren gehören:
- Rückseitiges Abdünnen (Rückseitenbeleuchtung): Die Substratschicht des Sensors wird entfernt, damit das lichtempfindliche Silizium direkt den einfallenden UV-Photonen ausgesetzt ist und deren Absorption durch die Schaltkreise verhindert wird.
- Leuchtstoffbeschichtungen: Auf den Sensor wird eine lumineszierende Beschichtung (z. B. Lumogen) aufgebracht, die UV-Licht absorbiert und dieses rasch bei einer sichtbaren Wellenlänge reemittiert, die der standardmäßige Siliziumsensor leicht detektieren kann.
- Spezielle Halbleitermaterialien: Verwendung von Materialien mit großer Bandlücke wie Galliumnitrid (GaN) oder Siliziumkarbid (SiC), die von Natur aus für UV-Licht empfindlich und gegenüber sichtbarem Licht „blind“ sind.
Verfahren der UV-Bildgebung
UV-Reflexionsbildgebung
Bei diesem Verfahren wird das Motiv mit einer speziellen UV-Lichtquelle (oder Sonnenlicht) beleuchtet. Die mit einem UV-Durchlassfilter zur Sperrung des sichtbaren Lichts ausgestattete Kamera erfasst das vom Motiv reflektierte UV-Licht. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut zur Beobachtung oberflächennaher Strukturen, mikroskopischer Kratzer und der charakteristischen UV-Absorption verschiedener Materialien.
UV-Fluoreszenzbildgebung
Obwohl UV-Fluoreszenz technisch gesehen ein Verfahren mit gemischtem Spektrum ist, wird sie stark mit der UV-Bildgebung in Verbindung gebracht. Dabei wird eine Probe mit UV-Licht beleuchtet, um Elektronen im Material anzuregen. Wenn die Elektronen in ihren Grundzustand zurückkehren, emittieren sie Licht mit einer längeren, sichtbaren Wellenlänge. Bei diesem Aufbau ist die Kamera üblicherweise mit einem UV-Sperrfilter ausgestattet, sodass nur die emittierte sichtbare Fluoreszenz erfasst und das Anregungslicht ausgeblendet wird.

Anwendungen
UV-Bildgebung spielt in zahlreichen Bereichen, in denen die Bildgebung mit sichtbarem Licht nicht ausreicht, eine entscheidende Rolle.
Industrielle und elektrische Inspektion
Eine der wichtigsten Anwendungen der UV-Bildgebung ist die Erkennung von Koronaentladungen in elektrischen Hochspannungsanlagen. Koronaentladungen emittieren Licht hauptsächlich im UVC-Band. Mit speziellen „solarenblinden“ UV-Kameras, die sämtliches Licht oberhalb von 280 nm blockieren, können Prüfer defekte Isolatoren, Lichtbogenbildung und elektrische Leckströme bei hellem Tageslicht erkennen, ohne dass die Hintergrundstrahlung der Sonne die Messung beeinträchtigt.
Forensik und Strafverfolgung
Forensische Ermittler nutzen UV-Bildgebung, um Spuren an Tatorten sichtbar zu machen. Bildgebung mit reflektiertem UV-Licht kann Bissspuren, Blutergüsse und latente Fingerabdrücke auf problematischen, nicht porösen Oberflächen sichtbar machen. UV-Fluoreszenz wird routinemäßig eingesetzt, um biologische Flüssigkeiten, Schussrückstände sowie gefälschte oder chemisch veränderte Dokumente nachzuweisen.
Halbleiterfertigung
Da die Strukturgrößen in der Halbleitertechnologie immer kleiner werden, müssen auch die zur Inspektion verwendeten Lichtwellenlängen abnehmen, um eine ausreichende Auflösung zu gewährleisten. Bildgebung im tiefen UV-Bereich (DUV) wird in automatisierten optischen Inspektionssystemen (AOI) häufig eingesetzt, um während des Fotolithografieprozesses Defekte, Partikel und Unregelmäßigkeiten im Submikrometerbereich auf Siliziumwafern zu erkennen.